zirkularatmung
auf dieser seite möchte ich die geneigten leser und leserinnen mit der technik der zirkularatmung bekannt machen.
die zirkularatmung ist sehr alt.
es gibt eine reihe von ethnischen instrumenten, die mit dieser technik gespielt werden.
auch haben sich eine reihe von saxophonisten und klassischen instrumentalisten mit der anwendung dieser leicht ein wenig spektakulär wirkenden technik einen namen gemacht. (z.B. der flötist robert dick)
wann und wie diese technik eingesetzt wird, ist vollkommen vom geschmack und können des instrumentalisten abhängig.
es ist einleuchtend, das eine gute beherrschung der technik den instrumentalisten in jedem fall der zirkusmäßigen applikation zugunsten einer künstlerisch weiterreichenden enthebt.
das prinzip ist immer gleich:
mit hilfe des gaumensegels wird der mundraum vom nasen und rachenraum getrennt, und die im mundraum befindliche luft durch
a) wieder anlegen der vorher aufgeblasenen wangen
oder
b) durch anheben der zunge und eine gleichzeitige "nach-vorne-und-unten-bewegung" der oberen beweglichen teile des gaumensegels und sonstigen beweglichen teile des hinteren oberen mundraumes
oder
c) durch eine kombination der beiden bewegungen von a) und b)
in das instrument gebracht.
gleichzeitig wird durch den abgetrennten nasen und rachenraum eingeatmet - wobei ein möglichst unmerkbarer übergang von "mundraum-" zu "lungenexhalation" und umgekehrt das ziel ist.
abbildung 1
persönlich (und mit strengen bezug auf mein hauptanwendungsgebiet, dem sopransaxophon mit seinem kleinen und auf druckunterschiede sehr empfindlich reagierenden mundstück) habe ich mich auf das erlernen der oben angeführten form b) der mundraumexhalation konzentriert, da sich bei form a) und mischform c) die wangen von den oberen und unteren, linken wie rechten zahnreihen wegbewegen und die dazu benötigte entspannung der wangenmuskulatur
[ Der Musculus buccinator ( lat. : Backenmuskel oder Trompetermuskel , veraltet auch Musculus buccinatorius ) ist ein Skelettmuskel , der im wesentlichen die Wange (Backe) formt. Im Gegensatz zu den anderen mimischen Muskeln besitzt der M. buccinator eine eigene Muskelfaszie[Wikipedia ]]
die grundspannung des lippenringmuskels beeinflusst (ansatz!), was wiederum zu unerwünschten ton- und intonationsschwankungen führt.
[Der Musculus orbicularis oris ("Ringmuskel des Mundes") ist ein ringförmiger Schließmuskel um die Mundöffnung und bildet die fleischige Grundlage der Lippen .Die tonische Kontraktion des Musculus orbicularis oris sorgt für das Schließen der Mundöffnung. Wenn sich nur die äußeren Anteile kontrahieren werden die Lippen wie zum Küssen gespitzt (im Englischen wird er deshalb auch als " kissing muscle " bezeichnet)[Wikipedia]]
es ist schon allgemeingut, aber die wirksamste methode, das prinzip der zirkularatmung zu verstehen, ist nach wie vor das glas
wasser mit strohhalm.(abb. 1)
das ziel, nämlich den kontinuierlichen strom an luftblasen nie versiegen zu lassen, es sei denn, man hat einen wichtigen termin, erreicht man in nur 4 lernschritten z.b. so:
| schritt 1 |
nehmen sie den strohhalm in den mund.
wichtig:
kneifen sie die spitze des strohhalms mit den zähnen zusammen, so, dass sie beim hineinpusten einen großen widerstand spüren und nur ganz kleine blasen entstehen.
durch die geringere strömungsgeschwindigkeit haben sie mehr zeit, sich auf die bewegungen zu konzentrieren.
pusten sie die wangen auf.
anschließend drücken sie die wangen wieder zusammen.
ergebnis: es gibt luftblasen im glas, solange die luft im mundraum ausreicht.
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| schritt 2 |
nehmen sie den strohhalm in den mund.
wichtig:
kneifen sie die spitze des strohhalms mit den zähnen zusammen, so, dass sie beim hineinpusten einen großen widerstand spüren und nur ganz kleine blasen entstehen.
durch die geringere strömungsgeschwindigkeit haben sie mehr zeit, sich auf die bewegungen zu konzentrieren.
pusten sie die wangen auf.
anschließend drücken sie die wangen wieder zusammen.
sobald sie merken, dass die luft im mundraum zur neige geht, versuchen sie, diese mit der normalen ausatemluft aus den lungen anzufüllen.
dabei werden sie bemerken, dass sie hinten im mund eine art verschluss öffnen müssen:
das ist der untere teil des gaumensegels der sich nach oben bewegt um die luft aus den lungen wieder durchzulassen.
versuchen sie, dieses öffnen des verschlusses so behutsam
wie möglich zu gestalten.
pusten sie weiter, bis auch die lungen leer sind.
ergebnis: sie haben schon viel mehr luftblasen erzeugt!
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| schritt 3 |
nehmen sie den strohhalm in den mund.
wichtig:
kneifen sie die spitze des strohhalms mit den zähnen zusammen, so, dass sie beim hineinpusten einen großen widerstand spüren und nur ganz kleine blasen entstehen.
durch die geringere strömungsgeschwindigkeit haben sie mehr zeit, sich auf die bewegungen zu konzentrieren.
pusten sie die wangen auf.
anschließend drücken sie die wangen wieder zusammen.
während sie die luft ganz langsam aus dem mundraum in den strohhalm pusten, versuchen sie jetzt, eine ganz normale, ruhige atembewegung aufzunehmen.
dabei pusten sie in aller ruhe auch weiterhin die luft durch den strohhalm in das glas.
je mehr sie die spitze des strohhalms verengen, desto leichter wird ihnen das gelingen.
ergebnis: jetzt dauert es nicht mehr lange!
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| schritt 4 |
nehmen sie den strohhalm in den mund.
wichtig:
kneifen sie die spitze des strohhalms mit den zähnen zusammen, so, dass sie beim hineinpusten einen großen widerstand spüren und nur ganz kleine blasen entstehen.
durch die geringere strömungsgeschwindigkeit haben sie mehr zeit, sich auf die bewegungen zu konzentrieren.
pusten sie die wangen auf.
anschließend drücken sie die wangen wieder zusammen.
sobald die luft im mundraum knapp wird, das isst dann der fall, wenn sie die wangen schon fast ganz an die beiden linken und rechten zahnreihen gebracht haben, öffnen sie den verschluss des gaumensegels, und die luft aus den lungen strömt nun durch mund, strohhalm und in das glas.
ergebnis: es blubbert weiter!!
sobald sie merken, dass die luft in den lungen knapp wird, pusten sie - ohne den luftstrom durch den strohhalm hindurch zu unterbrechen - die wangen wieder auf.
sobald die wangen aufgepustet sind, drücken sie die wangen wieder zusammen.
das gibt ihnen nun die zeit, mit der normalen, ruhigen atembewegung einzuatmen, ihre lungen mit luft zu füllen. sind die lungen gefüllt, halten sie einen augenblick blubbernd inne - und konzentrieren sich auf den neuen atemzyklus, der so beginnt:
sobald die luft im mundraum knapp wird, das isst dann der fall, wenn sie die wangen schon fast ganz an die beiden linken und rechten zahnreihen gebracht haben, öffnen sie den verschluss des gaumensegels, und die luft aus den lungen strömt nun durch mund, strohhalm und in das glas.
etc.etc.etc.
ergebnis: es blubbert immer immer immer weiter !!!
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nun haben sie schon ein paar zyklen zirkular geblubbert!
das es sich nicht ganz so einfach erlernen läßt wie sich dieser text lesen lässt, liegt auf der hand - ich habe mich bemüht, die prozedur so einfach wie möglich in worte zu fassen.
das prinzip der zirkularatmung habe ich mir auf diese weise beigebracht.
um dieses prinzip auf saxophone, speziell das sopransaxophon, übertragen zu können, müssen wir nun noch die bewegung
a) wieder anlegen der vorher aufgeblasenen wangen.
gegen die bewegung
b) anheben der zunge und eine gleichzeitige "nach-vorne-und-unten-bewegung" der oberen beweglichen teile des gaumensegels und sonstigen beweglichen teile des hinteren oberen mundraumes.
eintauschen.
das geht ungefähr so:
| schritt 1 |
schliessen sie den mund (die wangen liegen an den zähnen an) und bringen die ganze zunge oben an den gaumen(nicht nur die spitze),
so dass sie die decke des gaumens und seine krümmung mit der oberfläche der zunge ertasten können.
das ist die stellung, in der unser blasebalg für die zirkularatmung leer ist.
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| schritt 2 |
lassen sie den mund geschlossen (die wangen liegen an den zähnen an) und stellen sie sich vor, sie wollten eine orange in ihrem mund unterbringen.
was tun?
richtig: sie senken die zunge so weit hinunter wie möglich.
dasselbe erreichen sie auch dadurch, bei geschlossenem mund den tiefsten für sie möglichen ton zu summen.
aber wirklich den tiefsten!!
zusätzlich dazu versuchen sie, das dach des gaumens soweit wie möglich nach oben, und den teil, bei dem bei machen menschen noch die mandeln in der nähe sind, soweit wie möglich nach hinten zu bewegen.
(das braucht zeit: am anfang weiss man garnicht, dass man dort muskeln hat, die man auch willentlich steuern kann...)
brauchbare bilder, um die willentliche verbindung zu diesen muskeln herzustellen sind z.b.:
___ bei abgesenkter zunge einen erstaunten blick aufsetzen.
___ sich vorstellen, vom hinterkopf aus, dort wo bei den meisten menschen der große wirbel in den haaren ist, geht ein bindfaden quer durch den schädel hindurch und ist am hinten oben am gaumen befestigt. ziehe ich jetzt ein bischen an den haaren, bewegt sich auch das dach des gaumens nach oben und hinten.
___ stellen sie sich vor, sie haben eine kochendheisse, grosse kartoffel im mund.
sie möchten sie unbedingt im mund behalten - wollen sich aber dennoch nicht den mund verbrennen...
das wirkt wunder in bezug auf die innere beweglichkeit der mundhöhle!
(dieses zugegebenermaßen etwas absurde szenario könnte z.b. durch eine attacke prähistorischen futterneides ausgelöst werden, die sie ab und an überfällt)
das ist die stellung, in der unser blasebalg für die zirkularatmung voll ist.
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jetzt haben wir eine bewegung, die unseren mundraum in einen blasebalg für die zirkular atmung verwandelt, ohne dass ein kompromiss in bezug auf lippenspannung und damit auf tonqualität und intonation eingegangen werden muss.
um obiges ein wenig anschaulicher zu machen, folgen einige illustrationen:
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| in der oben stehenden abbildung ist die zunge auf dem weg nach unten, während die luft aus der lunge durch das geöffnete gaumensegel und den mund in das saxophon, oder den strohhalm strömt |
hier oben sieht man, wie die zunge sich bei geschlossenem gaumensegel nach oben bewegt, dadurch die in der mundhöhle aufgestaute luft in das soaxophon oder den strohhalm drückt, während hinter dem geschlossenen gaumensegel luft eingeatmet wird. |
DIE NÄCHSTEN SCHRITTE
um den neuen blasebalg auszuprobieren, wiederholen sie bitte den wahnsinn mit dem wasserglas.
fangen sie bei schritt 1 an, und seien sie geduldig.
es lohnt sich, die neuen bewegungen oft auszuprobieren, um sie zu automatisieren.
dann probieren sie, zunächst die eine und dann die andere blasebalg-methode am saxophon aus.
sie werden wahrscheinlich feststellen, das es zwar ein wenig komplizierter ist, die wangen nicht aufzublähen, sich jedoch die mühe absolut lohnt, da man nicht durch ein lästiges zittern des tones ständig daran erinnert wird, dass die zirkularatmung nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass wir auch nur menschen sind...
achtung: auf keinen fall die geduld verlieren!!!
die wichtigste grundvorraussetzung, einen schönen, expressiven ton am saxophon zu erreichen, ist eine kontinuierliche atemführung.
es braucht zeit, bis man die neue bewegungsabfolge erlernt, verinnerlicht und mit den anderen parametern des saxophonspiels in eine balance gebracht hat.
es braucht wochen, monate, oder, wie in meinem fall, jahre bis diese form der atmung im zusammenhang mit den anderen zentralen aspekten wie lautstärke, intonation, stilistik einen grad der verinnerlichung erreicht hat, der sie ganz natürlich in das spiel einfliessen lässt.
weil man irgendwann nicht mehr darüber nachdenken muss.
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über rückmeldung zu der verständlichkeit dieses artikels freue ich mich.
vielen dank
K.G.
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